Abschied von Osvaldo Bayer

Der argentinische Journalist, Publizist und Aktivist Osvaldo Bayer, der vor wenigen Wochen, am 24. Dezember 2018, in Buenos Aires starb, widmete sein Leben  dem Kampf um Menschenrechte und der Durchsetzung demokratischer Verhältnisse; ganz speziell galt sein Einsatz den Rechten der indigenen Bevölkerung. Er arbeitete eng mit den ‚Müttern der Plaza de Mayo‘ zusammen, die Aufklärung über das Schicksal ihrer während der Diktatur verschleppten Kinder forderten. In seinen wöchentlichen Kolumnen in der argentinischen Tageszeitung „Página 12“ griff er  deren Forderung von „Wahrheit und Gerechtigkeit“ auf: Aufklärung über das Schicksal der „Verschwundenen“ und juristische Verfolgung der Täter. Einen „radikalen linken Moralisten“ nennt ihn Gert Eisenbürger in seinem persönlichen Nachruf, von dem wir hier einen Ausschnitt veröffentlichen.

„Als wir am 24. Dezember von einem Spaziergang aus dem nicht sehr weihnachtlichen Zentrum von Buenos Aires zurückkamen, erzählte uns unsere Gastgeberin Cristina traurig, Osvaldo Bayer (die Aussprache des Nachnamen liegt in Argentinien zwischen Bascher und Baischer) sei gestorben. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Schon wenige Stunden nach seinem Tod hatten sich etliche Bekannte aus der Menschenrechtsarbeit bei ihr trauernd gemeldet. Auch beim Abendessen mit Freund*innen war sein Tod das erste Thema. Erst glaubte man nicht, dass dieser wichtige Argentinier in Deutschland überhaupt bekannt war, Weit gefehlt, sagte ich. In den 70er- und 80er-Jahren, als Osvaldo als Flüchtling in Bonn und Berlin war, hätten wir viel mit ihm zu tun gehabt, er sei eine der wichtigsten Stimmen des argentinischen Exils in Europa gewesen. Die argentinischen Freund*innen wussten viel über Osvaldos publizistische und politische Tätigkeit und kannten seine Bücher, aber dieser Abschnitt aus seinem Leben war ihnen weitgehend unbekannt. Woher sollten sie auch in der bleiernen Zeit der Militärdiktatur mitbekommen haben, dass der große argentinische Publizist im klitzekleinen Hinterhofbüro der ila in der Bonner Römerstraße zusammen mit jungen deutschen Studierenden und Arbeitern die Öffentlichkeitsarbeit gegen die Diktatur und die nächsten Schritte der Kampagne „Fußball ja – Folter nein“ (zur Fußball-WM 1978 in Argentinien) diskutiert und geplant hatte.

Als Osvaldo Bayer 1976 als 49-Jähriger aus Argentinien fliehen musste, war er dort längst ein bekannter Autor. Vor allem sein mehrbändiges Werk La Patagonia Rebelde (dt. „Aufstand in Patagonien“, Frankfurt/M. 2010) über die brutale Niederschlagung eines Landarbeiterstreiks 1921/22 im argentinischen Süden, hatte in Argentinien eine neue Art der Geschichtsschreibung „von unten“ etabliert, die einer ganzen Generation junger Aktivist*innen einen anderen Blick auf die Geschichte ihres Landes eröffnete.“

Der gesamte Text ist in der  ila (Heft 422) zu lesen.

 

Foto: Osvaldo Bayer. Linz am Rhein (1999). Autor: Eduardo Montes-Bradley. Wikimedia Commons.Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

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