Laudatio auf Peter B. Schumann

 

Anlässlich des Ausscheidens von Peter B. Schumann aus dem Amt des Geschäftsführenden Vorsitzenden im Verein der Freunde des Ibero-Amerikanischen Instituts wirft Susanne Klengel, einst Mitgründerin des Vereins und seitdem aktives Vorstandsmitglied, einen Blick zurück auf eine bald zwanzigjährige Zusammenarbeit.

 

11. Januar 2019

Liebe Freundinnen und Freunde des Ibero-Amerikanischen Instituts,

Lieber Peter,

als das langjährigste Mitglied im Vorstand der Freunde des Ibero-Amerikanischen Instituts (neben Peter B. Schumann) fällt mir die Ehre zu, Dir, lieber Peter, heute anlässlich Deines Ausscheidens aus dem Amt des Geschäftsführenden Vorsitzenden zu danken und gleichzeitig Deinen großen Einsatz in diesen vielen Jahren zu würdigen.

Bei so einer Gelegenheit blickt man zurück – und ich blicke zurück auf unsere nunmehr 20- jährige Zusammenarbeit, die schon vor der Gründung des Vereins, kurz vor der Jahrtausendwende begonnen hatte. Ich darf für mich in Anspruch nehmen, dass ich Dich damals dem neuen Direktor des Ibero-Amerikanischen Instituts, Dr. Günter Maihold, vorschlug, als wir gemeinsam mögliche Personen eruierten, die wir für den Vorstand des zu gründenden Vereins ansprechen wollten. Wir bezeichneten uns als „Initiativgruppe zur Gründung eines Vereins der Freunde des Ibero-Amerikanischen Instituts“.

Günter Maihold erachtete die Etablierung eines Freundes- und Fördervereins für das IAI als unerlässlich – dem IAI hatte noch kurz vorher die Auflösung bzw. die Eingliederung in die Staatsbibliothek gedroht – und so brachte er interessierte Personen und die vorhandenen akademischen Energien zusammen. Er kannte sich indes damals noch nicht so gut in der vielschichtigen Berliner Lateinamerika-Szene aus, ebenso wenig der designierte Vorsitzende des Vereins, der Kölner Historiker Horst Pietschmann.

Ich musste nicht lange nachdenken, mir fiel sofort Peter B. Schumann ein, den ich schon lange als aktiven Kulturvermittler, Filmexperten und Radiojournalisten und überhaupt als rundum Lateinamerika-affinen und auch kombativen Publizisten kannte. D.h. – persönlichkannte ich ihn eigentlich noch nicht wirklich, denn wir bewegten uns in verschiedenen Feldern (ich war ja noch lange Zeit Studentin und Doktorandin an der Uni gewesen, er längst ein anerkannter Publizist), doch ich las, sah und hörte Peter B. Schumann in Berlin immer wieder, in den Medien oder in öffentlichen Diskussionen. Am regelmäßigsten vielleicht bei

der Berlinale, wo Peter viele Jahre lang der Fachexperte für lateinamerikanischen Film war: Er kommentierte unzählige Filme und führte Diskussionen mit den Regisseurinnen und Regisseuren und dem Publikum. Oft saß ich in diesem Publikum, damals konnte ich mir exzessive Berlinale-Besuche zeitlich noch leisten, ich weiß, wovon ich spreche…. Es ist nicht überraschend, dass die große Filmsammlung, die das IAI heute besitzt, auf Peter B. Schumann zurückgeht!

So dachte ich mir – und ebenso Günter Maihold und Horst Pietschmann – in jenem Frühherbst des Jahres 1999, dass es für den Verein des IAI gewiss ein großer Gewinn sein würde, eine in den Medien und in der Öffentlichkeit so bekannte Persönlichkeit, die Lateinamerika immer wieder in den öffentlichen Diskurs brachte, für eine Mitarbeit bei den Freunden des IAI zu gewinnen.

Peter B. Schumann stand ja seinerseits dem Ibero-Amerikanischen Institut schon lange nahe. Für ihn, wie für uns alle, war die Bibliothek des IAI ein unumgänglicher, immer wieder hilfreicher und interessanter Ort des Studiums und der Information. Wir befanden uns, das darf man nicht vergessen, vor den Zeiten des Internets, und das IAI hielt Tageszeitungen aus Lateinamerika und andere wichtige Informationsquellen bereit.

Auch Peter B. Schumanns eigene Publikationen sind dort selbstverständlich zu finden. EtwaDas Handbuch des lateinamerikanischen Films aus dem Jahre 1982, ein Klassiker, den ich auch selbst besitze. Ebenso das Handbuch des Brasilianischen Films, das einige Jahre später erschien. Diese Handbücher sind engagierte Nachschlagewerke, in denen die (Film)Kunstkein Eigenleben als „L’art pour l’art“ führt, sondern stets in ihrem politischen Kontext, in ihrer politischen und gesellschaftlichen Relevanz gesehen wird. Und obwohl es Handbücher sind, die vor allem knapp und neutral informieren wollen, merkt man ihnen doch an, dass sie von einer kritisch engagierten Persönlichkeit verfasst wurden.

Diese Haltung, kritisch-engagiert, kennzeichnet Peter, wie wir wissen – er ist im wahrsten Sinne des Wortes eine engagierte Person und Persönlichkeit, die sich auch im Verein der Freunde in ganz starkem Maße eingebracht und engagiert hat – fast zwanzig Jahre lang, engagiert und kritisch.

Übrigens hat Peter noch vor wenigen Monaten einen Filmabend für die Freunde organisiert, der dem hochpolitischen Kultfilm La hora de los hornos von Fernando Solanas gewidmet war, dessen Filmplakat – kaum ein Zufall! – auf der allerersten Abbildung im Abbildungsteil des genannten Schumann’schen Handbuchs zu sehen ist.

Doch lassen Sie mich noch einmal zur Gründungsgeschichte unseres Vereins zurückkehren; und es ist schön, dass ich dies teilweise in den von Peter B. Schumann geschriebenen Protokollen – er fing als Schriftleiter des Vereins an! – nachlesen konnte:

Wir hatten den Verein – so glaubten wir – am 19. Oktober 1999 gegründet. Doch erwies sich dies als ein Trugschluss. Wir alle waren noch nicht so recht fit im Vereine-Gründen und hatten einige formale Fehler gemacht… Kurzum, der Verein der Freude wurde definitiv erst im April 2000 gegründet, und somit haben wir im hochsymbolischen Jahr des neuen Jahrhunderts oder Jahrtausends unsere Arbeit offiziell begonnen.

Ja, lieber Peter, danach verlieren sich leider meine Unterlagen und ich habe keine genauen Daten mehr. Ich war damals noch einige Zeit Vizevorsitzende, doch befand ich mich eigentlich auf der „Wanderschaft“ einer gerade Habilitierten, auf Jobsuche also, und war damit ziemlich beschäftigt. Schließlich ging ich an die Universität Mainz. Es war für mich gut und richtig, den Vizevorsitz 2002 abzugeben. Gewählt wurdest Du – ganz sicher einstimmig –und seither hast Du unglaublich viel dazu beigetragen, die Freunde durch ein außerordentlich aktives Vereinsleben sichtbar zu machen.

Wenn ich zurückdenke, muss ich vor allem Folgendes sagen: Wir konnten uns vollkommen darauf verlassen, dass der Verein „läuft“. Du hattest immer alles im Blick: unsere Sitzungen, die Mitgliederversammlungen, die Kommunikation mit den verschiedenen Schatzmeistern im Amt, mit dem Finanzamt, die inhaltliche Absprache der Veranstaltungen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Ibero-Amerikanischen Institut, die inhaltliche und ästhetische „Gestaltung“ der einzelnen Ereignisse – sei es Vortrag, Film, Empfang, etc. – Du warst bereit für die Moderationen, bzw. hast ModeratorInnen gewonnen, Du hast selbst ganz umfänglich zu einem sehr vielfältigen Vortragsprogramm beigetragen. Du hast persönlich viele neue Mitglieder für die Freunde angeworben. Und Du hast die Filmsammlung des IAI aufgebaut; von zahlreichen Reisen hast Du viele, auch ganz entlegene und schwer erhältliche Filme mitgebracht. Du warst so aktiv, dass wir selbst manchmal ganz erstaunt waren, wie viele Veranstaltungen jährlich – oft gut besucht – stattgefunden haben… Dafür sind wir Dir enorm dankbar. Aber lass es mich auch nochmal umgekehrt sagen: Du hast uns immer wieder von einem Programm zu überzeugen gewusst (indem Du selbstverständlichauch unsere Vorschläge gern aufgegriffen hast), das Deiner erfahrungsgespeisten Auffassung von breiter und öffentlichkeitswirksamer Kulturvermittlung entsprach. Und ich glaube, das war sehr richtig. Das Programm der Freunde hat auf diese Weise erheblich dazu beigetragen, dass das Ibero-Amerikanische Institut, dem ja an einer umfassenden Öffentlichkeitsarbeit gelegen ist, sich immer stärker zu einem kulturellen Ort, zu einem Ort der Kulturvermittlung entwickelt hat. Und das ist gar nicht so einfach in dieser vielfältigen Berliner Kulturlandschaft!

Ich glaube auch, lieber Peter, dass Du uns Uni-Leute in dieser Hinsicht irgendwie mobilisiert hast, z. B. wenn Du manch allzu akademische Ankündigung mit milder Strenge gegengelesen hast, um sie zugänglicher zu machen. Dies hat mich dann herausgefordert, mit genau diesem Blick auch nochmal auf meinen Text zu schauen. Und Du hattest ja meist Recht, selbst wenn ich bei manchen Formulierungen auf meinem ursprünglichen Text insistieren musste.

Die Zusammenarbeit war immer anregend: Es war großartig, dass Du stets mit einem Fächer an vorbereiteten Ideen und Vorschlägen in die Sitzungen kamst. Aus diesen Vorschlägen konnte man immer Deine Wachheit angesichts der politisch-kulturellen Situation in Lateinamerika ablesen und Deine Überlegung, was denn für ein Publikum hierzulande interessant sein könnte.

Auf Deinen Vorschlag hin wurden neue aktive Mitglieder in den Vorstand gewählt: z.B. Jeanette Erazo Heufelder, die sich ihrerseits stets mit interessanten Ideen einbringt und Franco delle Donne, dem wir die wunderbare Blog-Gestaltung zu verdanken haben. Und Peter W. Schulze – es ist vielleicht kein Zufall, dass auch er einen Schwerpunkt im lateinamerikanischen Film hat. Und Claudia Sierich mit ihrer Expertise in Fragen des Übersetzens.

Es liegt auf der Hand, dass wir alle immer viel diskutiert haben. Wir sind im Vorstand viele eigenständige Köpfe mit verschiedenen Vorstellungen und Ideen, die wir außerdem auch mit dem Ibero-Amerikanischen Institut rückkoppeln müssen. Diese Diskussionen waren oft intensiv, manchmal auch richtig intensiv, und bisweilen kamen wir uns sogar ein bisschen indie Haare… aber: das Programm wurde dadurch wahrscheinlich immer besser!

Lieber Peter, eigentlich hast Du uns alle immer zusammengehalten! Du warst es auch immer, der an wichtige Jubiläen dachte, der dazu mahnte, jemandem von den Freunden zu gratulieren, der ggf. ein Geschenk besorgte oder einen Empfang organisierte… und dies hast Du nicht zuletzt auch wieder für die Mitgliederversammlung am heutigen Tag getan. Heute Abend werden wir besonders mit Dir und auf Dich anstoßen, nach unserer Versammlung!

Die Vorstandssitzungen waren immer auch Begegnungen unter Freunden im doppelten Sinne: als Freunde des IAI, aber eben auch als Freunde auf einer persönlichen Ebene. Wir danken Dir für diese lange freundschaftliche, engagierte und immer anregende Zusammenarbeit als Geschäftsführender Vorsitzender. Es ist schön zu wissen, dass Du auch in Zukunft weiter bei

uns aktiv bleibst, dass wir auch in Zukunft auf Dich zählen können. Und wir werden nicht vergessen: Keiner kennt die Filme und die Filmsammlung des IAI besser als Peter B. Schumann!

Lieber Peter, habe herzlichen Dank für Dein großes Engagement und die großartige Zusammenarbeit in diesen zwanzig vergangenen Jahren!

Nun geht es heute gar nicht um einen echten Abschied, aber doch um einen Aufbruch: Als aktiver Mensch wirst Du sicher die gewonnene Zeit für eigene Pläne nutzen und nach Deinen Interessen gestalten. Hierbei wünschen wir Dir viel Freude. Bleibe gesund, weiter so dynamisch, und bleibe uns gewogen als Freund des IAI und als unser Freund im Vorstand der Freunde.

Susanne Klengel
im Namen des Vorstands der Freunde des Ibero-Amerikanischen Instituts

 

Fotos: ©Freunde des IAI

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