„Manchmal waren wir so durcheinander, dass wir die Sängerin krähen und den Hahn Tangos singen ließen“

… erinnert sich – Jahrzehnte später – der mexikanische Schriftsteller Carlos Fuentes an die Zusammenarbeit mit Gabriel García Márquez im Jahr 1964, als sie  gemeinsam das Drehbuch zu der Verfilmung von Juan Rulfos Erzählung El Gallo de Oro verfassten. Am Ende hätte ihn ‚Gabo‘ gefragt: Wollen wir wirklich den mexikanischen Film retten oder doch lieber unsere Romane schreiben? Damit seien die Würfel gefallen.

Umgekehrt hatte der mexikanische Schriftsteller Juan Rulfo zu diesem Zeitpunkt längst für sich entschieden, keine weiteren literarischen Texte mehr zu produzieren. So beschränkt sich Rulfos bedeutendes Oeuvre mit einem Erzählband, Der Llano in Flammen  (1953), und einem einzigen Roman, Pedro Páramo (1955), auf zweimal 150 Seiten. Das ruft Vergleiche mit J.D. Salinger hervor, dem anderen mythenumrankten Autoren, der nach Ein Fänger im Roggen (1951) für den Rest seines Lebens ebenfalls schwieg. Wie Salingers literarischer Protagonist, der 16jährige Holden Caulfield, werden auch Juan Rulfos im mexikanischen Umfeld verankerte Figuren von Lesern weltweit verstanden.

In seinem Vortrag Zwischen Schwarzer Legende und Heiligenschein arbeitet Hans-Otto Dill am Beispiel der Erzählung El Gallo de Oro jene Partikel der mexikanischen Wirklichkeit heraus, die sich bei Rulfo in universelle Zeichen und Symbole verwandeln und aus seinen Erzählungen Weltliteratur machen.

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Zwischen Schwarzer Legende und Heiligenschein. Juan Rulfos Filmerzählung El gallo de oro neu interpretiert | Vortrag von Dr. Hans-Otto Dill | 21. März 2019, 19-20.30 Uhr | SEKIS, Bismarckstraße 101, 10625 Berlin | Moderation: Peter B. Schumann (Freunde des IAI).

Eine Veranstaltung der ‚Freunde des Ibero-Amerikanischen Institutes e.V.‘ in Kooperation mit dem Lateinamerika-Forum.

Foto: Poleth Rivas / Secretaría de Cultura de la CDMX / Miércoles 12 de abril de 2017: „A manera de homenaje, se realizó una intervención escénica en torno a la obra de Juan Rulfo, por las pasillos y en el Foro Sergio González Rodríguez, para la sorpresa de los asistentes al segundo día de actividades del 11º Gran Remate de Libro en el Auditorio Nacional.“ via flickr

 

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