El Bandoneón – der argentinische Weltstar aus der deutschen Provinz

Seine Ursprünge hat das argentinischte aller Musikinstrumente zwar in den 1830er Jah­ren im Vogtland. Als Erfinder des Bandoneons gilt jedoch ein Krefelder:  Der Musiklehrer und Instrumentenhändler Heinrich Band, der in seinem Sortiment ab 1844 die von dem Chem­nit­zer Carl Fried­rich Uh­lig er­fun­de­ne deut­sche Kon­zerti­na anbot. Auf Veranlassung Heinrich Bands, der auch Noten und Schulen für das Akkordeon verkaufte, wurden neben der 56-tönigen Konzertina im Vogtland bald „auch In­stru­men­te mit 88 Tö­nen ge­baut, an de­nen Band ei­ni­ge Tö­ne um­stimm­te und ein Schild mit dem Na­men Ban­do­ni­on an­brach­te.“ So  Uh­ligs Schwie­ger­sohn Jo­hann Da­vid Wünsch (1814–1895) in einem Artikel im  Leip­zi­ger Ta­ge­blatt. Auf dem Portal Rheinische Geschichte kann man nachlesen, dass das Instrument  der Initiative Heinrich Bands  mehr als die  ‚rheinische Tonlage‘ zu verdanken hat; nämlich die  Oktavstimmung, die jenen Klang liefert, der aus dem Bandoneon erst das auch namentlich vom Akkordeon zu unterscheidende Instrument machte.  Die Weiterentwicklung zu jenem 142-tönigen Instrument, das in Argentinien zum Inbegriff des Tangos werden sollte, vollzog sich freilich erst nach Bands Tod und ist aufs Engste mit dem Namen Alfred Arnolds verknüpft. Arnold gründete 1911 in Carlsfeld die Firma „Alfred Arnold Bandonion- und Konzertina-Fabrik” und stellte unter der Marke „AA” jene eleganten und melancholischen Bandoneons her, die bis heute von den weltberühmten Tango-Solisten gespielt werden.

Bis zum Ende der großen Auswandererwelle in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelangten etwa 60.000 Bandoneons aus dem Vogtland nach Argentinien. Doch seit der argentinischen Wirtschaftskrise 2001 hat sich die Zahl der historischen Instrumente in der Heimat des Tangos auf ein alarmierendes Drittel reduziert. Grund ist ihr Ausverkauf an Sammler aus aller Welt.

Im Vogtland werden zwar weiterhin hochwertige Bandoneons in der Tradition Alfred Arnolds hergestellt. Aber anders als vor hundert Jahren, als das Bandoneon mit den Matrosen und Emigranten ins Land kam,  wird heute kaum eines dieser schönen Instrumente den Weg über den Atlantik nach Argentinien finden. Denn für den Kauf neuer Instrumente aus Europa fehlt vielen argentinischen Tangospielern schlicht das Geld.

Im Rahmen der 25 Jahre Städtepartnerschaft Berlin-Buenos Aires dreht sich im IAI in Kooperation mit dem Musikinstrumenten-Museum am Kulturforum noch bis zum 17. Oktober 2019 beinahe alles um das Bandoneón. So zeigt das Musikinstrumenten-Museum eine Auswahl besonders schöner und wertvoller Bandoneons aus der umfangreichen Sammlung des Tango- und Bandeoneonmuseums Staufen, ergänzt durch einige seltene Instrumente aus seiner eigenen Sammlung sowie besonderer Stücke aus den einzigartigen Beständen an historischen Tangoaufnahmen und Notenwerken des Ibero-Amerikanischen Instituts. Am Donnerstag, den 12. September 2019 führt Klaus Gutjahr in einem Workshop in die Geschichte des Bandoneons und seiner Spielweise in Deutschland und Argentinien ein. Am 11. Oktober 2019 lädt das IAI in den Otto-Braun-Saal zu einem Konzert mit Omar Massa (Bandoneon) und Vitaliy Shal (Gitarre) ein. Am 17. Oktober endet die Veranstaltungsreihe mit dem Carlos-Gardel-Film „El Día que me quieras“ (1937) im Curt-Sachs-Saal des Musikinstrumenten-Museums. Nähere Informationen zur Ausstellung und den Veranstaltungen finden sich im Veranstaltungsprogramm des IAI. 

Foto: via Wikimedia Commons

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