Trademark ‚Gott‘

Evangelikale Kirchenführer-Unternehmer als Präsidentenmacher.  Was kommt auf Lateinamerika zu? Einige Daten: Der Anteil der Katholiken auf dem Kontinent ist  in den vergangenen Jahrzehnten um 25 Prozent zurückgegangen. Laut dem nationalen brasilianischen Statistikinstitut hat die katholische Kirche im Land  in diesem Jahrhundert pro Tag 465 Gläubige verloren. Umgekehrt gewannen die evangelikalen Kirchen in diesem Zeitraum täglich etwa zehn Mal so viele Anhänger hinzu.  In Brasilien liegt der Bevölkerungsanteil der evangelikalen Christen damit  inzwischen bei circa 30 Prozent. In Zentralamerika ist ihr Anteil sogar um 10  Prozent höher; in Kolumbien zählen sich zwanzig Prozent der Bevölkerung zu den Evangelikalen. In Argentinien und Chile ist ihr Anteil in der Bevölkerung nur wenig niedriger. „Gemessen daran sind die Evangelikalen in den Parlamenten immer noch klar unterrepräsentiert“, sagt Sebastian Grundberger, der Leiter des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Peru. ( Hier das vollständige Interview mit ihm)

Dennoch zeigte sich das  stark gewachsene Wählerpotential der evangelikalen Christen deutlich bei mehreren Wahlprozessen. Hier ein Auszug aus Grundbergers KAS-Bericht:

So unterlag die kolumbianische Regierung bei der Volksbe­fragung über das Friedensabkommen im Jahr 2016 auch deshalb, weil es ihr nicht gelang, in ihrer Kommunikation Bedenken evangelikaler Gruppen gegen manche gesellschaftspolitische Aspekte des Abkommens zu zerstreuen. Gleich­zeitig mobilisierten evangelikale Führungsper­sonen „ihre“ Gläubigen in hohem Maße zu einer Ablehnung des Friedensabkommens an den Wahlurnen. Ebenfalls im Jahr 2016 erfolgte die Wahl von Marcelo Crivella, einem Bischof der Igreja Universal do Reino de Deus, zum Bürger­meister der brasilianischen Stadt Rio de Janeiro. Im Jahr 2015 hatte der evangelikale ehemalige Fernsehunterhalter Jimmy Morales mit einem stark moralisierenden Diskurs und unter öffentli­cher Zurschaustellung seiner religiösen Zugehö­rigkeit die Präsidentschaftswahlen in Guatemala deutlich gewonnen.

Was der Bericht auch erwähnt: 

  • Konfessionslose Lateinameri­kaner sind das zweite schnell wachsende Bevölkerungs­segment in der Region. In einzelnen Ländern des Kontinents wächst der Anteil der Konfessionslosen sogar laut Latinobarómetro noch stärker als der Anteil evangelikaler Gläubigen, insbesondere in Uruguay, wo 38 Prozent der Bevölkerung keiner Glaubensgemeinschaft angehören.
  • Die Evangelikalen in Lateiname­rika bleiben trotz ihres beachtlichen Wachstums eine organisatorisch sowie seelsorgerisch stark zersplitterte religiöse Bewegung.  Die evangelikalen Kirchen in Lateinamerika stellen somit zwar einen wichtigen religiösen, gesellschaftlichen und politischen Faktor dar, aber keinesfalls einen einheitlichen politischen oder religiösen Block.

So hat in Mexiko die linke MORENA-Bewegung des amtierenden Präsidenten  Andres Manuel Lopez Obrador ebenfalls mit Hilfe einer evangelikalen Partei – nämlich der ‚Partido Encuentro Social‘, ES (Partei der Sozialen Begegnung) – die Wahlen 2018 gewonnen. In Mexiko liegt der Anteil der evangelikalen Christen inzwischen bei rund zwanzig Prozent.

Über den Einfluss der evangelikalen Bewegungen auf Politik und Gesellschaft Lateinamerikas diskutieren im Ibero-Amerikanischen Institut am Montag, den 2. Dezember 2019, der Politikwissenschaftler  Nikolaus Werz  mit Claudia Zilla von der Stiftung Wissenschaft und Politik und dem brasilianischen Soziologen Luiz Ramalho.

Die Evangelikalen in Brasilien zwischen Mission und Politik | Montag, 2.12.2019, 18.00 h, Simón-Bolívar-Saal, Ibero-Amerikanisches Institut, Potsdamer Straße 37, 10785 Berlin | Sprache: deutsch | freier Eintritt

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Eine Veranstaltung der ‚Freunde des IAI‘  in Kooperation mit dem Ibero-Amerikanischen Institut  

 

Bild: Congreso Nacional Juvenil de las Asambleas de Dios efectuado el 15 de Julio de 2010 en Cancún, Q. Roo, México via Wikimedia Commons

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