Clandestinos – Kultureller Widerstand in Kuba

Von Peter B. Schumann

Nachdem 2018 die alte Garde um Raúl Castro einer jüngeren Generation die Regierungsgeschäfte überlassen hatte, erwarteten viele Beobachter eine innenpolitische Entspannung. Doch das Gegenteil ist eingetreten. Zwar wurden die Möglichkeiten für private Geschäfte erweitert, aber zugleich wurde der kulturelle Spielraum durch neue Auflagen noch stärker reglementiert und die Repression gegen regimekritische Aktivitäten verschärft. Doch die Kulturschaffenden lassen sich nicht unterkriegen – wie die Clandestinos zeigen.

Clandestinos/ Illegale nennt sich die Gruppe, die seit Wochen den kubanischen Staatssicherheitsapparat an der Nase herumführt. Ihr Erkennungszeichen ist die Guy-Fawkes-Maske der Anonymous-Bewegung. In der Silvesternacht haben die Clandestinos eine Reihe von Büsten des Nationalhelden José Martí mit Schweineblut übergossen und seither regelmäßig auf Videos im Internet zum Widerstand gegen das Regime aufgerufen.

Oppositionelle Künstlerinnen und Künstler wie Tania Bruguera oder Luis Manuel Otero Alcántara haben in den letzten Jahren immer wieder gegen die Zensur und für die Meinungsfreiheit demonstriert. Sie haben ihre Aktionen in aller Öffentlichkeit durchgeführt und diverse Schikanen und sogar Gefängnishaft erlitten. Doch ein solcher anonymer Angriff, der zum Handeln animiert, ist neu. Entsprechend massiv reagierte das offizielle Cuba. In allen Institutionen, deren Martí-Büsten betroffen waren, fanden sogleich revolutionäre Treueschwüre statt. Der Staatssicherheitsdienst hat auch rasch zwei Täter ausgemacht, sie im Fernsehen vorgeführt und das Ganze als „konterrevolutionäres Verbrechen“ deklariert, bezahlt vom Exil in Miami. Der Reportage im staatlichen Nachrichten-Programm fehlte nicht nur durch sein Machart jegliche Glaubwürdigkeit. Zu oft hat dieser ‚Dienst‘ auch Fakten und ganze Fälle manipuliert. Außerdem tauchen auch heute noch in verschiedenen Städten mit roter Farbe übergossene Martí-Büsten und sogar Fidel-Plakate auf.

   „Wir sind mit keiner bekannten politischen Bewegung verbunden. Wir handeln aus dem Untergrund. Unsere Botschaft an die Diktatur ist klar: Wir sind viele, und wir werden nicht aufhören.“

Solche Aussagen von Clandestinos über ihre fortgesetzten Aktivitäten müssen das System verunsichert haben, denn es konnte deren Kampagne bisher nicht verhindern. Statt dessen sperrte ETECSA, das staatliche Telekommunikationsmonopol, ein Wochenende lang den Zugang zu den Portalen sämtlicher regimekritischer Medien: ein massiver Einschüchterungsversuch gegen die an Repressalien gewöhnte alternative Presse auf der Insel. Außerdem verhaftete die kubanische Stasi für kurze Zeit eine Reihe von Aktivisten, die auf ihren Facebook-Seiten Fotos der Clandestinos verbreitet haben, weil sie damit „Delinquenten“ unterstützt hätten. Unter ihnen den Performer Luis Manuel Otero Alcántara.

  „Ich bin kein Delinquent, sondern ein Künstler, ein Bürger, der für die Freiheit Cubas kämpft und für eine glückliche Zukunft der Kubaner, damit sie nicht mehr in Massen emigrieren und sich nicht mehr prostituieren müssen, damit sie wieder Hoffnung fassen und eine Lösung für ihre Probleme vor Augen haben.

Die Provokationen von Clandestinos sind zwar nur Nadelstiche. Sie veranschaulichen jedoch, dass selbst ein scheinbar allmächtiger Überwachungsapparat mitunter an seine Grenzen gerät.

Foto: via Wikimedia Commons

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Etwas derart Kulturloses wie diesen Kommentar von Hr. Schumann hätte ich auf einer Seite meines Vereins nicht erwartet. Welcher Kulturbegriff wird von ihm bemüht, wenn er Vandalismus in Kuba als legitimen Widerstand feiert? Das überschütten von Büsten des kubanischen Nationaldichters und -helden José Martí zu beklatschen finde ich perfide und kulturlos. Noch dazu, dieses üble Pamphlet als Äußerung des Vereins zu präsentieren. Seinen Hass gegen Kuba hat Hr. Schumann schon häufig geäußert, doch verschweigt er in seinen Ergüssen die im regionalen Vergleich demokratischen Verfahren und Partizipationsmöglichkeiten in Kuba, sowie die seit 58 Jahren andauernde zerstörerische und völkerrechtswidrige US-Blockade und Subversion gegen Kuba, die von Trump laufend weiter verschärft werden – trotz der eindeutigen Voten gegen die US-Blockade in der UN. Andere Kulturen und Systeme „verstehen“ sieht anders aus! In unserem Verein haben kulturverachtende Pamphlete wie die von Hr. Schumann nichts zu suchen.

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  2. Gerhard Mertschenk sagt:

    Man stelle sich vor, in Deutschland würden Büsten von Goethe oder Alexander von Humboldt mit Schweineblut besudelt werden. Würden die Täter als Performance-Künstler oder als Vandalen bezeichnet werden? Aber man braucht sich gar nichts abstrakt vorzustellen. Auch in Deutschland, in Berlin, wurde ein José-Martí-Denkmal gestohlen, geschändet und beschädigt. Die Polizei behandelte das Geschehen als Diebstahl und Sachbeschädigung. In gleicher Weise agiert auch die Polizei in Kuba gegen die Denkmalschänder. Von Thomas Mann ist bekannt, dass er den Antikommunismus als Grundtorheit des 20. Jahrhunderts bezeichnete. Der Autor des Clandestinos-Artikels zeigt, dass diese Grundtorheit auch im 21. Jhdt. fortbesteht. Wohin diese letztendlich führt, sieht man derzeit in Thüringen, wo unter der Maske des bürgerlichen Parlamentarismus lieber mit Gefolgsleuten eines Mannes, der gerichtsfest als Faschist bezeichnet werden darf, alles getan wurde und wird, um einen Linken als Ministerpräsidenten zu verhindern. Wie blind muss man durch Kommunistenhass sein, um Vandalen als Widerstandskämpfer gegen eine angebliche Diktatur zu glorifizieren?!
    Laut Ankündigung im Blog ist der Artikel nicht nur vom Autor geschrieben, sondern von „Freunde des IAI“ verfasst worden. Ich verwahre mich entschieden dagegen, zu den Freunden gezählt zu werden, die ein solches perfides antikubanisches Pamphlet verfasst haben sollen. Falls das nicht geändert wird, sehe ich mich veranlasst, meine Mitgliedschaft in dem Verein aufzukündigen.

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  3. Hiermit möchte ich mich der Empörung meiner Vorredner anschließen und zwar aus genau den von ihnen genannten Gründen.
    Bisher hatte ich tatsächlich gedacht, dass ein Verein wie dieser sich nicht blindlings den derzeit so erschreckend zunehmenden erzreaktionären Strömungen anschlösse, vor allem auch der sich im Verhalten der Trump-Administration zeigenden Missachtung des Rechtes auf eine partizipative Demokratie und sich auch auf die eines humanistischen Vordenkers, wie José Martí es war, berufenden Bemühungen des kubanischen Volkes.
    Wie können Ihnen, den Vertretern und Mitgliedern eines Ibero-Amerikanischen Interessenverbandes, nur die Wechselwirkungen zwischen dem Druck von außen durch Subversion und Handelsblockade, ehemals waren es bis 1999 sogar Terroranschläge, die von US-amerikanischem Boden ausgegangen waren, und die Kuba vor der UN-Spionageabwehr mit 3.478 Toten und 2.999 lebenslang beeinträchtigen Opfern belegen konnte, mit den Vorsichtsmaßnahmen der jeweiligen kubanischen Regierung zum Schutz ihrer Bevölkerung verborgen bleiben?
    Man kann nur hoffen, dass sich zumindest die Mitglieder Ihres Vorstandes von diesem ignoranten Machwerk distanzieren werden.

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  4. Hellmut Naderer sagt:

    Als Freund des heroischen Volkes der Kubaner, der mehrfach auf Kuba weilte, bin ich entsetzt, dass solche unqualifizierten, unsachlichen, der Realität widersprechenden Hasstiraden auf einem Internetportal einer Vereinigung veröffentlicht werden, von der man Beiträge erwartet, die nicht die Hetze und das Verbreiten von Halb- und Unwahrheiten der öffentlichen Medien der BRD unterstützen.
    Ich erwarte, dass der Beitrag von der Internetseite genommen und nicht weiter verbreitet wird.

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  5. Dr. Andrej Reder sagt:

    Die haßerfüllten Ergüsse des Peter B. Schumann gegen das sozialistische Kuba(Karibische Unabhängige Bastion Amerikas) sind selbstentlarvend. Sie versprühen nichts Kulturelles und nichts Widerständiges, sondern wütenden antikommunistischen Haß gegen ein stolzes Volk und seine glorreiche Geschichte des Widerstandes gegen die Kolonialmacht und und das übermächtige Imperium der Neuzeit.

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  6. Der Kommentar von Herrn Schumann greift die Würde der Menschen in Kuba an, die Jose Martí verehren.

    Das Übergießen mit Schweineblut der Büsten von Jose Martí in Kuba ist meiner Meinung nach vergleichbar einer Aktion in Chemnitz, das Hängen eines Schweinekopfes an das jüdische Restaurant Shalom. Würde das Herr Schumann auch als kulturellen Widerstand von Kritikern hierzu Landen bezeichnen? Für mich stellen beide bezeichneten Handlungen eine aggressive Provokation und Respektlosigkeit dar, welche die Würde der Menschen verletzen, die Jose Martí verehren oder im Beispiel des Angriffes auf das Restaurant Shalom in Chemnitz deren Gäste. Das hat für mich nichts mit kulturellem Widerstand zu tun. Auch in anderen Ländern werden Beschädigungen von Denkmälern als Straftaten geahndet und stellen meines Erachtens keine Staatsdoktrin dar, wie im Kommentar von Herrn Schumann beschrieben. Das Niveau derartiger Kommentare auf der Seite vermeintlicher Freunde des IAE ist nicht meines, sondern macht mir einfach nur Angst.

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