Michi Strausfeld empfiehlt: Yuri Herrera | ‚Der König, die Sonne, der Tod‘

Drei Kurzromane, deren Titel bereits neugierig machen: „Abgesang der Königs“, „Zeichen, die vom Weltende künden“, „Körperwanderung“ . Hinweisen möchte ich heute besonders auf „Körperwanderung“ als aktuelles Buch zur Corona-Pandemie. Viele Autoren haben über Pest und Cholera geschrieben, die bekanntesten Titel lauten Dekameron, Die Pest zu London oder Die Pest von Albert Camus – wie aber steht es um eine namenlose, weil  bislang unbekannte Pandemie? Der Mexikaner Yuri Herrera (*1970)  beschreibt eine solche Situation in „Körperwanderung“: In einer namenlosen Metropole, wo die Luft immer schon schlecht ist, bricht eine unerklärte und unerklärliche Epidemie aus. Die Menschen wagen sich nicht mehr aus dem Haus, alle brauchen Mundschutz, das Leben kommt nach und nach zum Stillstand. Kafkaeske Szenen spielen sich ab, wenn z.B. ein Leichnam transportiert wird. Vom Fluch einer tödlichen Plage betroffen, breitet sich die Gewalt unaufhaltsam auf – im Kampf um Wasser, Lebensmittel, Medizin. Die innere und äußere Zerstörung beherrschen das menschliche Miteinander und unsere Zivilisation.

Brillant geschrieben, nimmt der Autor den Leser mit in eine Welt, die uns plötzlich nicht mehr wie von einem fernen Stern, sondern bekannt erscheint. Das Ende des Romans lässt den Atem stocken.

Yuri Herrera: ‚Der König, die Sonne, der Tod‘ (S. Fischer, Frankfurt/Main, 2014)

 

Foto: ©Jeanette Erazo Heufelder

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